Individuelle Lebenswege

Die Therapie

Existenzanalyse und Logotherapie nach Viktor E. Frankl
(derzeit in Ausbildung)

Viktor E. Frankl ist der Meinung, dass wir Menschen uns dadurch auszeichnen, dass wir nach Sinn und Freiheit streben und dieses Streben sich in der konkreten Verantwortung ausdrücken kann. „In der Verantwortlichkeit ist das „Wozu“ der menschlichen Freiheit mitgegeben – das, wozu der Mensch frei ist – wofür oder wogegen er sich entscheidet“, so Frankl. Und an anderer Stelle: „Mensch sein bedeutet, bewusst sein und verantwortlich sein.“

Viktor E. Frankl lebte von 1905 bis 1997, und seine Gedanken scheinen mir aktueller denn je.

Wir leben in einer Konsumgesellschaft und Medienwelt. Traditionen finden sich im Konsum, zurzeit in Vintage-Produkten. Und wenn sie dem modernen Menschen noch eine Richtung vorgeben, dann meist hinsichtlich der Wohnungseinrichtung.

Struktur, Halt und Werte sind dort eher selten zu finden. Die Medienwelt interessiert sich mehr für die Rolle, die der einzelne darstellt, weniger für sein wahres Ich. Diesem „Ich“ mit seinen vielen interessanten Facetten. Die der eine mag und den anderen abstoßen. Die Nivellierung der Menschen, die paradoxerweise den Narzissmus nur noch umso mehr fördert und sich im schönen Gewand der Individualität niederschlägt.

Beide fördern die äußere und innere Einsamkeit. Frankl spricht hier von einem existenziellen Vakuum: „Im Gegensatz zum Tier erhält der Menschen keine Informationen von seinen Instinkten, was er tun muss, und im Gegensatz zum Menschen von gestern sagen dem Menschen von heute keine Traditionen mehr, was er tun soll. Nun, weder wissend, was er muss, noch wissend, was er soll, scheint er oftmals nicht mehr recht zu wissen, was er im Grunde will. So will er denn nur das, was die anderen tun – Konformismus! Oder aber er tut nur das, was die anderen wollen – von ihm wollen – Totalitarismus.“

Wie auch immer wir leben, irgendwann stoßen wir zwangsläufig auf das große Thema „Lebenssinn“. Jemanden einen Lebenssinn geben zu wollen, ist nach meiner Weltanschauung von niemanden möglich. Das sah auch Frankl so. Es sollte jedoch einen Weg geben, den Klienten dorthin zuführen, wo er seinen Lebenssinn entdecken und gleichzeitig die Möglichkeit erhalten kann, diesen dann sein Eigen zu nennen.

Viktor E. Frankl sagte: „Jeder Tag, jede Stunde wartet also mit einem neuen Sinn auf, und auf jeden Menschen wartet ein anderer Sinn. So gibt es einen Sinn für einen jeden, und für einen jeden gibt es einen besonderen Sinn.“ Gerade von ihm, der Auschwitz überlebt hat und ohne Ressentiments gegenüber den Deutschen lebte, kommt der Hinweis: „… wir reifen, wir wachsen, wir wachsen über uns selbst hinaus. Gerade dort, wo wir insofern hilflos und hoffnungslos sind, weil wir eine Situation nicht ändern können – sind wir aufgerufen, und es ist uns abverlangt, uns selbst zu ändern.“Diese Tiefe des Satzes begriff ich erst nach vielem Lesen und noch mehr empathischem Nachfühlen. Er lag mir schwer im Magen. Denn ohne tiefes Wissen, umfassende Empathie und therapeutische Professionalität kann er auf einen Menschen mit beispielsweise lebensbedrohlichen und / oder prekären Lebensphasen sehr zynisch und demoralisierend wirken.

Frankl meint, dass jede Zeit „ihre“ Neurosen hat und „ihre“ Psychotherapie benötigt.

In der Existenzanalyse und der Logotherapie sehe ich eine Psychotherapie, die mit den Menschen geht, die mit der Zeit geht, die sich verändert und dennoch ihrem Kern treu bleibt, dass der Mensch einen Willen zum Sinn in sich trägt, und dass dieser Sinn nicht produziert oder gemacht werden kann, sondern dass man ihn nur zu entdecken, zu erspüren vermag, um ihn dann wahr werden zu lassen.
Ja, und das beeindruckt mich. Das werde ich lernen, damit arbeiten und diese Haltung weitergeben.